Somatische Praktiken im architektonischen Entwerfen: Ein Experiment zum verkörperten Entwerfen

Matthias Ballestrem, Wiktor Skrzypczak

    Abstract

    In etwa zeitgleich befinden sich die Disziplinen Tanz und Architektur um die Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert in einem Umbruch. Eingebettet in die junge Einfühlungstheorie, die deutsche Ästhetik und die Bewegung der Lebensreformer rückt der fühlende Körper in das Zentrum der Wahrnehmung und Interaktion des Menschen mit seiner Umgebung. Während diese Entwicklung im Tanz ausgehend von Personen wie Rudolf Laban zu einer umfassenden Veränderung der Ausdrucks- und Aufführungsformen führte, traf das auf die Architektur nicht gleichermaßen zu. Daran, so argumentieren die Autoren, ist auch das Fehlen geeigneter medialer Praktiken schuld, die sich auch bis heute nicht entwickelt haben. Der Text stellt einen Versuch in der universitären Entwurfslehre vor, an das Körper- und Methodenwissen aus der heutigen somatischen Bewegungslehre anzuknüpfen und aus somatischen Bewegungspraktiken abgeleitete Aufmerksamkeitsübungen im architektonichen Entwurfsprozess einzusetzen. Es basiert auf der These, dass durch somatische Praktiken der fühlende Körper selbst zum Entwurfsmedium wird und die unmittelbar und oftmals implizit wahrgenommenen sinnlichen Qualitäten von Raum in das Zentrum des Entwurfsprozesses gestellt werden. Experimentelle Bewegungs- und Entwurfspraktiken sowie Entwurfsergebnisse aus dem Seminar zeigen die Potentiale und Herausforderung des körperlichen Entwerfens und des Explizierens von imaginierten Räumen in klassischen Entwurfsmedien.
    Original languageGerman
    Pages (from-to)189-204
    JournalWolkenkuckucksheim
    Volume25
    Issue number40
    Publication statusPublished - 2021

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