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Abstract
Die kumulative Dissertation adressiert das relativ neue Phänomen chinesischer Großprojekte im Kontext der Europäischen Energie- und Mobilitätswende. Mit Fokus auf periphere Regionen in Ostdeutschland untersucht sie, wie die Planung und Implementierung dieser Projekte vor Ort erfolgen und welche Rolle lokale Fachleute aus Planung, Verwaltung und Politik in diesen Prozessen spielen. Die Untersuchung geht von der Annahme aus, dass lokale Fachleute in der Projektimplementierung unter wachsendem Druck stehen, da sie eine komplexe Landschaft aus vielfältigen internationalen und nationalen AkteurInnen, Institutionen und Planungskulturen navigieren müssen. Gleichzeitig müssen sie mit Spannungen umgehen, die sich aus divergierenden wirtschaftlichen, (geo-)politischen und ökologischen Interessen ergeben. Darüber hinaus sind sie gefordert, effiziente Planungsverfahren bereitzustellen und gleichzeitig konkurrierende öffentliche Interessen, wie beispielsweise Konflikte um Flächennutzung, Umweltbelange und Forderungen nach partizipativer Governance, zu steuern.
Während bestehende Forschungen zu Chinas globaler Expansion nach Europa bereits wertvolle multidisziplinäre Erkenntnisse geliefert haben, bleibt Chinas jüngster Fokus auf Großprojekte der Europäischen Energie- und Mobilitätswende, insbesondere im Bereich der ‘Clean Technologies’ (sauberen Technologien), weitgehend unerforscht. Dies betrifft vor allem die konkrete Umsetzung und die lokalen Auswirkungen solcher Transformationsprojekte. Zeitgleich ist in den Urban Studies jüngst ein wachsendes Interesse an der Zukunft peripherer Regionen, sogenannter ’left-behind places’ (Abgehängte Orte), sowie an Klein- und Mittelstädten zu beobachten. Obwohl diese Studien bereits die Planung und Implementierung grüner Transformationsprojekte adressiert haben, insbesondere im Zusammenhang mit lokalen Protesten und gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen, fehlt es an vertiefenden Untersuchungen, die die konkreten Kooperationspraktiken lokaler Fachleute in der Implementierung dieser Projekte analysieren.
Die Dissertation verortet sich an der Schnittstelle zwischen Stadt- und Planungsforschung und greift auf verschiedene konzeptionelle Ansätze aus der kritischen Stadtforschung, der qualitativen Politikforschung sowie der Infrastrukturforschung zurück. Zunächst rahmt sie Chinesische Großprojekte der Energie- und Mobilitätswende in Europas Peripherien als multi-skalare, räumlich-zeitliche Entwicklungen, die eng mit den heterogenen und diskontinuierlichen Urbanisierungsprozessen einer ’extended urbanisation’ (erweiterten Urbanisierung) verwoben sind. Damit bewegt sie sich über einen sogenannten ’methodological cityism’—dem dominanten Fokus auf städtische Untersuchungsräume und -kategorien in den Urban Studies—hinaus und trägt so den vielschichtigen Formen der erweiterten Urbanisierung in Peripherien Rechnung. Um die konkrete Analyse der Projekt-implementierung möglich zu machen, greift die Arbeit ergänzende Konzepte auf, die dynamische Machtverhältnisse und unterschiedliche Zeitlichkeiten als ’agents’ (gestaltende Kräfte) der Projektumsetzung in den Fokus rücken. Durch die Anwendung einer Institutionellen Ethnographie rückt die Dissertation die lokal-situierte Praxis und Perspektive lokaler Fachleute ins Zentrum ihrer qualitativen Forschung. Empirisch fokussiert sie sich auf die Implementierung zweier Batteriezellenfabriken, die von chinesischen Unternehmen in Ostdeutschland realisiert wurden: ein erfolgreiches Projekt in der Stadt Arnstadt-Ichtershausen (Thüringen) sowie ein gescheitertes Vorhaben nahe der Stadt Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt).
Neben einem konzeptionellen Artikel werden die Ergebnisse der Dissertation über drei überwiegend empirische Forschungsartikel hinweg präsentiert. Diese werden in drei thematischen Schwerpunkten zusammengefasst. Erstens: Entgegen zahlreicher Perspektiven, die in Chinesischen Großprojekten ein strategisches und staatlich-orchestriertes Mittel zur Verwirklichung außenwirtschaftlicher und außenpolitischer Ziele Chinas sehen, zeigt die Dissertation, wie die Vor-Ort Umsetzung geprägt ist von improvisierten, fragmentierten und oft scheiternden Ansätzen. Diese lassen sich nicht allein auf eine vermeintliche Unwissenheit chinesischer Investoren zurückführen, sondern sind ebenso in den Praktiken lokaler Fachleute verwurzelt. Zweitens: Durch die Anwendung einer zeitlichen Perspektive verdeutlicht die Dissertation, wie Fachleute auf Ebene der Bundesländer als zentrale Akteure hinter den Projekten auftreten—nicht nur während der Implementierungsphase, sondern auch weit über die Projektlaufzeit hinaus. Begründet in weitreichenden Restrukturierungsprozessen im Nachgang der politischen Wiedervereinigung 1989/90, gestalteten diese Fachleute, im Fall von Thüringen, über die Zeit hinweg die entscheidenden Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung. Gleichzeitig trugen diese Maßnahmen zur Neuskalierung staatlicher Machtverhältnisse bei, wodurch lokale Behörden in ihren Handlungen zunehmend eingeschränkt wurden. Drittens: Die Dissertation zeigt, dass die Implementierung Chinesischer grüner Großprojekte eine Fortsetzung der wiederkehrenden ’boom-and-bust’-Dynamiken (Aufschwung und Niedergang) darstellt, die die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands rund um Großindustrien seit mehr als drei Jahrzehnten prägen. Aufgrund dieser Pfadabhängigkeit sind lokale Fachleute immer wieder darauf angewiesen, neue Zukunftsversprechen mithilfe von Großprojekten zu machen. Schließlich resultiert dies in einer ‘stagnierenden Gegenwart’, die fortwährend von den Entscheidungen der Vergangenheit und den unerfüllten Versprechen der Zukunft heimgesucht wird.
Zusammenfassend leistet die Dissertation auf empirischer, methodologischer und konzeptioneller Ebene disziplinübergreifende Beiträge. Während sie die wachsende Literatur zu Chinas Expansion nach Europa insbesondere aus einer situativen und praxisorientierten Stadt- und Planungsperspektive erweitert, trägt sie zugleich zur aktuellen Debatte über die Zukunft peripherer Räume und ’left-behind’ places bei. Insbesondere untersucht sie kritisch, inwiefern Großprojekte in diesen Räumen wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklungen ermöglichen, oder ob sie im Kontext der grünen Transformation weiterhin ungleich betroffen bleiben. Damit begeht die Dissertation einen jüngst in den Urban Studies unternommenen ’peripheral turn’ und rückt die epistemologische, wirtschaftliche, sozial-räumliche und ökologische Bedeutung von Peripherien für die Entwicklung urbaner Räume in den Vordergrund. Auf methodologischer und konzeptioneller Ebene bietet sie einen qualitativen Ansatz zur Untersuchung sektor-übergreifender Praktiken von lokalen Fachleuten innerhalb institutioneller Strukturen sowie über Orte und Maßstäbe hinweg. Zugleich eröffnet sie neue Perspektiven auf die aktiv gestaltende Rolle von Zeitlichkeit in der räumlichen Entwicklung.
Während bestehende Forschungen zu Chinas globaler Expansion nach Europa bereits wertvolle multidisziplinäre Erkenntnisse geliefert haben, bleibt Chinas jüngster Fokus auf Großprojekte der Europäischen Energie- und Mobilitätswende, insbesondere im Bereich der ‘Clean Technologies’ (sauberen Technologien), weitgehend unerforscht. Dies betrifft vor allem die konkrete Umsetzung und die lokalen Auswirkungen solcher Transformationsprojekte. Zeitgleich ist in den Urban Studies jüngst ein wachsendes Interesse an der Zukunft peripherer Regionen, sogenannter ’left-behind places’ (Abgehängte Orte), sowie an Klein- und Mittelstädten zu beobachten. Obwohl diese Studien bereits die Planung und Implementierung grüner Transformationsprojekte adressiert haben, insbesondere im Zusammenhang mit lokalen Protesten und gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen, fehlt es an vertiefenden Untersuchungen, die die konkreten Kooperationspraktiken lokaler Fachleute in der Implementierung dieser Projekte analysieren.
Die Dissertation verortet sich an der Schnittstelle zwischen Stadt- und Planungsforschung und greift auf verschiedene konzeptionelle Ansätze aus der kritischen Stadtforschung, der qualitativen Politikforschung sowie der Infrastrukturforschung zurück. Zunächst rahmt sie Chinesische Großprojekte der Energie- und Mobilitätswende in Europas Peripherien als multi-skalare, räumlich-zeitliche Entwicklungen, die eng mit den heterogenen und diskontinuierlichen Urbanisierungsprozessen einer ’extended urbanisation’ (erweiterten Urbanisierung) verwoben sind. Damit bewegt sie sich über einen sogenannten ’methodological cityism’—dem dominanten Fokus auf städtische Untersuchungsräume und -kategorien in den Urban Studies—hinaus und trägt so den vielschichtigen Formen der erweiterten Urbanisierung in Peripherien Rechnung. Um die konkrete Analyse der Projekt-implementierung möglich zu machen, greift die Arbeit ergänzende Konzepte auf, die dynamische Machtverhältnisse und unterschiedliche Zeitlichkeiten als ’agents’ (gestaltende Kräfte) der Projektumsetzung in den Fokus rücken. Durch die Anwendung einer Institutionellen Ethnographie rückt die Dissertation die lokal-situierte Praxis und Perspektive lokaler Fachleute ins Zentrum ihrer qualitativen Forschung. Empirisch fokussiert sie sich auf die Implementierung zweier Batteriezellenfabriken, die von chinesischen Unternehmen in Ostdeutschland realisiert wurden: ein erfolgreiches Projekt in der Stadt Arnstadt-Ichtershausen (Thüringen) sowie ein gescheitertes Vorhaben nahe der Stadt Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt).
Neben einem konzeptionellen Artikel werden die Ergebnisse der Dissertation über drei überwiegend empirische Forschungsartikel hinweg präsentiert. Diese werden in drei thematischen Schwerpunkten zusammengefasst. Erstens: Entgegen zahlreicher Perspektiven, die in Chinesischen Großprojekten ein strategisches und staatlich-orchestriertes Mittel zur Verwirklichung außenwirtschaftlicher und außenpolitischer Ziele Chinas sehen, zeigt die Dissertation, wie die Vor-Ort Umsetzung geprägt ist von improvisierten, fragmentierten und oft scheiternden Ansätzen. Diese lassen sich nicht allein auf eine vermeintliche Unwissenheit chinesischer Investoren zurückführen, sondern sind ebenso in den Praktiken lokaler Fachleute verwurzelt. Zweitens: Durch die Anwendung einer zeitlichen Perspektive verdeutlicht die Dissertation, wie Fachleute auf Ebene der Bundesländer als zentrale Akteure hinter den Projekten auftreten—nicht nur während der Implementierungsphase, sondern auch weit über die Projektlaufzeit hinaus. Begründet in weitreichenden Restrukturierungsprozessen im Nachgang der politischen Wiedervereinigung 1989/90, gestalteten diese Fachleute, im Fall von Thüringen, über die Zeit hinweg die entscheidenden Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung. Gleichzeitig trugen diese Maßnahmen zur Neuskalierung staatlicher Machtverhältnisse bei, wodurch lokale Behörden in ihren Handlungen zunehmend eingeschränkt wurden. Drittens: Die Dissertation zeigt, dass die Implementierung Chinesischer grüner Großprojekte eine Fortsetzung der wiederkehrenden ’boom-and-bust’-Dynamiken (Aufschwung und Niedergang) darstellt, die die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands rund um Großindustrien seit mehr als drei Jahrzehnten prägen. Aufgrund dieser Pfadabhängigkeit sind lokale Fachleute immer wieder darauf angewiesen, neue Zukunftsversprechen mithilfe von Großprojekten zu machen. Schließlich resultiert dies in einer ‘stagnierenden Gegenwart’, die fortwährend von den Entscheidungen der Vergangenheit und den unerfüllten Versprechen der Zukunft heimgesucht wird.
Zusammenfassend leistet die Dissertation auf empirischer, methodologischer und konzeptioneller Ebene disziplinübergreifende Beiträge. Während sie die wachsende Literatur zu Chinas Expansion nach Europa insbesondere aus einer situativen und praxisorientierten Stadt- und Planungsperspektive erweitert, trägt sie zugleich zur aktuellen Debatte über die Zukunft peripherer Räume und ’left-behind’ places bei. Insbesondere untersucht sie kritisch, inwiefern Großprojekte in diesen Räumen wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklungen ermöglichen, oder ob sie im Kontext der grünen Transformation weiterhin ungleich betroffen bleiben. Damit begeht die Dissertation einen jüngst in den Urban Studies unternommenen ’peripheral turn’ und rückt die epistemologische, wirtschaftliche, sozial-räumliche und ökologische Bedeutung von Peripherien für die Entwicklung urbaner Räume in den Vordergrund. Auf methodologischer und konzeptioneller Ebene bietet sie einen qualitativen Ansatz zur Untersuchung sektor-übergreifender Praktiken von lokalen Fachleuten innerhalb institutioneller Strukturen sowie über Orte und Maßstäbe hinweg. Zugleich eröffnet sie neue Perspektiven auf die aktiv gestaltende Rolle von Zeitlichkeit in der räumlichen Entwicklung.
| Originalsprache | Englisch |
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| Gradverleihende Hochschule |
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| Betreuer/-in / Berater/-in |
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| Förderer | |
| Datum der Bewilligung | 20 Apr. 2026 |
| Erscheinungsort | Hamburg |
| Verlag | |
| DOIs | |
| Publikationsstatus | Veröffentlicht - 2026 |
UN SDGs
Dieser Output leistet einen Beitrag zu folgendem(n) Ziel(en) für nachhaltige Entwicklung
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SDG 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinschaften
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SDG 15 – Lebensraum Land
Aktivitäten
- 1 Promotionsvorhaben
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The Spatial Politics of Global Interdependencies: Chinese Large-Scale Infrastructure
Langguth, H. (Promovierende:r) & Grubbauer, M. (Betreuungsperson)
19 Okt. 2022 → 19 Mai 2025Aktivität: Promotionsvorhaben
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